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2005

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Wie ging es weiter
 

Jahr 2006

 

Dann war da noch

 

Zeitenwende

"Ich will!

 

   

Winnenden

Blick an die Wand
 
 

Krankenhausaufenthalt vom 16.06. - 02.09.2005

(Auszugsweise aus dem Buch Zeitenwende übernommen)

Hinweis: Die gemachten Texte sind dem Buch Zeitenwende entnommen. An ein Buch war zu diesem Zeitpunkt nicht gedacht worden. Der Aufenthalt war insgesamt viel intensiver und es ist auch noch viel mehr geschehen.  Während dieser Krankenhauszeit - meinem persönlichen tiefsten Abgrund - wurde der Grundstein für meine spätere Arbeit (über 25 Selbsthilfegruppen in mehreren Landkreisen) gelegt.

Ich musste also da bleiben

16.06.2005 Es geht los . . .
Nun war es also doch passiert. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Ab diesem Tag habe ich im Krankenhaus weiter geschrieben

Heute ist meines Erachtens ein schlimmer Fehler gemacht worden. Ich hatte heute 8.15 Uhr wieder einen Termin im PLK Winnenden. Ich hatte auch meine Zeichnung fertig gemalt und auch die letzten zehn Tage ausgedruckt.

Ab heute vertraue ich keinem Menschen mehr! Niemand!

Ich trete in Hungerstreik

18.06.2005 Eingesperrt
                       Du hast viel mehr Zeit dir Gedanken zu machen.
                       Eingesperrt
                       Du weißt wie viele Platten an der Decke sind = 31
                       Eingesperrt
                       Du

25.06.2005 Depression – Was ist das?
                                                                                    1 Wort
                                                                                    10 Buchstaben
                                                                                     grausam

                                                                                     und noch mehr geschrieben

29.06.05 Fahrstuhl
Ich drücke den Knopf und fahre los.

30.06.05 Kampf
Es tobt ein unsichtbarer Kampf auf der Station. . .

02.07.05 Die Schale
                               Ich dachte ich wäre fast angelangt an meinem Kern.
                               Ich habe versucht zwei Wochen lang Schale um Schale abzutragen.
                               Heute ist womöglich schlimmer wie vorher.

 

Alles Scheiße!

 

06.07.05 Südafrika
Ja, da wollte ich hin um diese Zeit im Juni/Juli eine andere Welt kennen lernen.
Ja, ich wollte nicht Urlaub machen, sondern die Blickrichtung ändern und eine Aids-Station besuchen und

. . .

06.07.05 Besondere Menschen I
                  
Es sind besondere Menschen, die Patienten hier.
                   Ich hab nicht mit allen gesprochen, jedoch mag ich jeden von ihnen.
                   ...
                   ...

Besondere Menschen II
                   Drei Wochen konnte ich sie kennen lernen
                   Und sie hatten es nicht immer leicht mit mir.

 

10.07.05 Wieder da! Warum?

11.07.05 Guter Tag – schlechter Tag
In der Nacht zum Montag habe ich nicht viel geschlafen. Dementsprechend gelaunt bin ich auch aufgewacht. Alles war irgendwie schlecht. An diesem Morgen wollte ich schon schreiben „verloren“!

 

13.07.05 Der Teich
Der Teich . . .

 

14. 07.05 Piep
So blöd es klingt, ein einfaches PIEP war wieder ein kleiner Fortschritt.

 

20.07.05 Achterbahn
Wir fahren Achterbahn. Hoch und runter. Wir freuen uns beim hoch und könnten schreien beim runter. Beim runter treibt es uns die Tränen in die Augen und wir fühlen uns ausgeliefert. Wir wünschen uns, die Fahrt wäre bald zu Ende.
Ich steige bald aus!

Häufig hatte ich beim schreiben Tränen in den Augen.

...

31.07.05
An diesem Wochenende schreibe ich die Geschichte die wir als „Hausaufgaben“ bekommen haben. Eine Woche meines Lebens in fünf Jahren. Marion darf sie als erste lesen.

Zwei Dinge werden dabei vom Leser übersehen:
1. Ich schreibe von vier Heften. Das hier ist erst das Dritte. Marion darf die Hefte nicht lesen.
2. Ich schreibe von einem Tag (etwas verschlüsselt) an dem etwas passiert.
Dieser Tag liegt heute noch in der Zukunft. Mit Punkt zwei halte ich mir noch immer alle Optionen offen. Das. ..

01. 08.05 2 Std. 17 Minuten
Heute an einem Tag, an dem ich mich selbst nicht leiden kann, gehe ich nach dem Abendessen zum walken.
 

 

03. / 04. 08.05
                                       Das Ergebnis einer durchwachten Nacht:
                                       Eine Nacht mit tausend Gedanken.
                                       Eine Nacht mit allerlei Musik.
                                       Eine Nacht ohne . . .

  • Die wichtigste Frage: Wie geht es weiter?
    Wofür bin ich bereit, meine Zeit zu geben, ohne meine Werte zu verraten?
    Anderen helfen ihren Weg zu finden. Anteilnahme, Zuhören, Zuneigung spenden – arbeiten mit anderen Menschen.
    Mit 48 kann ich es mir nicht mehr leisten, mit angezogener Bremse zu leben. Für eine Arbeit, der ich kein Leben
    einhauchen kann oder die mir keinen Spaß bringt, fehlt mir die Geduld.
    Das Thema Depressionen in der Öffentlichkeit bekannter machen.
    Afrika – doch noch nach Afrika - - - Südafrika?
    Ab diesem 8. August habe ich angefangen nach Lösungen zu suchen.

 

09. 08.05 kleiner Presseartikel in der Zeitung
Jakobweg
Heute denke ich immer wieder darüber nach, mir die Zeit zu nehmen und den Jakobsweg zu wandern. Weiß aber nicht einmal genau wo das hingeht. An der Schlosskirche in Winnenden hängen Wegzeichen an einem Baum. Vielleicht wäre das eine gute Möglichkeit auf das Thema Depressionen und auf die Suche eines Weges hinzuweisen. Ich weiß es noch nicht sicher, will mir aber verstärkt darüber Gedanken machen. Das könnte auch ein guter Startpunkt für ein Netzwerk Depressionen sein: „Du bist nicht allein!“

 

17. 08.05 Ein schlechter Tag
Ich habe schlecht geschlafen und der Tag beginnt so. Bin total durch den Wind. - nehme keine Tabletten mehr – will keine Schlaftabletten, also überhaupt keine Tabletten. Merkt aber niemand. Warum soll ich Schlaftabletten nehmen...

 

Jakobsweg
Wie habe ich mich letzte Woche gefreut über diese Idee die da in mir reift. Heute in dieser Minute ist alles weg. Das ist sehr schlimm für mich.

 

Der überraschende Abschluss des Tages
passend - - - und irgendwie - - - schon wieder komisch!
Bett belegt

...

 

Nacht 17. / 18. August 2005 Wieder eine Nacht
Das Bett ist belegt – ich werde malen. Das ist mein Entschluss.

 

Sonntag, 21. August 2005 Familienrat
Die Familie versammelt sich im Wohnzimmer.

Teil 1
Papa erklärt das Thema Depressionen noch mal und dass hier etwas getan werden muss. Durch noch sechs Wochen Resturlaub überlegt er den Jakobsweg zu laufen. Das sind ca. 800 km.
Gründe für den Weg
                                         1. Thema Depressionen aufmerksam machen in der Öffentlichkeit
                                         2. Menschen mit Depressionen Hoffnung geben
                                         3. für mich selber

Teil 2
Papa schlägt vor einen australischen Hütehund (Welpe) zu kaufen.

 

Depressionen WARUM?
Die Erklärung bei der Depressionsgruppe war zwar richtig – allerdings fehlt eine wichtige Hälfte.
Die Ergänzung mache ich nach einem Gespräch mit Marion.

 

23. August 2005 Death Day (notiert am 22.08.2005)
                                          Mein Todestag
                                          Er ist schon seit vier Wochen notiert

 

Der Baum
In der Maltherapie erhielt ich den „Auftrag“ etwas zu malen,

Als er fertig war, hab ich gesagt: „Er macht mir Angst!“

 

27. August 2005 Das letzte Geheimnis . . .
. . . habe ich heute Morgen Marion gesagt.

und . . .
. . . ich hab sie vernommen, die Worte von Dr. . .

„Seien Sie sich nicht zu sicher.“

 

26. August 2005 Das Puzzle . . . . . . oder . . . . . . wie wurde ich gesund?
Das war auch eine wichtige Frage des Arztes. Darüber habe ich ebenfalls lange nachgedacht. Daraus ist das folgende Puzzle entstanden. Vermutlich fehlt das eine oder andere.
Dieses Puzzle war bei mir wichtig.

 

Das Puzzle . . . . . . oder . . .
. . . was werde ich weiter beibehalten?

Auch dieser Vorsatz ist für die Zukunft sicher wichtig.
Ich konnte vieles lernen und da wäre es schade, dieses nicht fortzuführen oder gar zu vertiefen.

 

31. August 2005 Abschied
(am 31.08. schreibe ich morgens 5.02 Uhr in mein Handy)
Immer wenn etwas zu Ende geht, kommen vermehrt die Gedanken dazu. So geht es auch mir. Eine harte aber ungemein wertvolle Zeit geht zu Ende.

  • Der Unterschied zu vorher:
    Die Angst ist kleiner
    Die Zuversicht, das Vertrauen auch zu Gott ist wieder fester.
    Das gilt es zu bewahren.

 

Runde im Park
Heute habe ich bewusst nach 20.00 Uhr eine Runde durch den Park gemacht. Viele Plätze und viele Gedanken . . .
Die Enten sind groß geworden. Es wird früher dunkel.

 . . .

 

02.09.05 Aktion: Red Hair
Heute wenn alle schlafen hänge ich noch „Kampf in S 2“ und „Besondere Menschen“ an das schwarze Brett. Bin gespannt was sich ergibt.
Aktion Red Hair beginnt um 6.05 Uhr. Der Wecker klingelt. Ich gehe ins Lesezimmer. Kurz vor halb kommt meine Verbündete. Die Haare werden nass gemacht, eingeschmotzt und dann wird gewartet.

 

Ich habe heute rote Haare (die Idee dazu ist eine Woche vorher entstanden wo der Friseur bei uns zu Hause war). Vermutlich werde ich bald wieder hier sein. Ich habe immer gesagt, dass ich weiter in dem Thema drin bleiben möchte und werde.

Ich möchte: Zeichen setzen und Farbe bekennen!

  • Der Plan:
    Weiterbehandlung läuft weiter hier in der Pia
    Für mich geht das Training weiter – sowohl körperlich als auch geistig
    Der Aufenthalt hier war für mich eine schwere Zeit, aber auch Prüfung was möchte ich zukünftig machen.
    Da ich noch sechs Wochen Urlaub habe möchte ich diesen nutzen. Ich plane den Jakobsweg in Spanien zu gehen, wenn ich die erforderlichen ok’s bekomme.
    Von meiner Familie habe ich im Familienrat – Frau und Kinder – einstimmig das Einverständnis erhalten. Die Ausarbeitung läuft derzeit von mir. Eine Information folgt.

 

Zwei wichtige Sätze die mich künftig beeinflussen werden : (habe ich schon einmal aufgeschrieben).
1. Wofür bin ich bereit, meine Zeit zu geben, ohne meine Werte zu verraten?
Darüber habe ich lange nachgedacht.

2. Mit 48 kann ich es mir nicht mehr leisten, mit angezogener Bremse zu leben. Für eine Arbeit, der ich kein Leben einhauchen kann oder die mir keinen Spaß bringt, fehlt mir die Geduld.
Auch darüber habe ich lange nachgedacht.

Die Antwort:
Anderen helfen, ihren Weg zu finden.
Anteilnahme, zuhören, Zuneigung spenden – arbeiten mit anderen Menschen.

 

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann was er
will, sondern darin, dass er nicht tun muss, was er nicht tun will.
J.J. Rousseau

 

Der Pfleger meinte später beim Abschied: „Sie sind auf dem richtigen Weg.“ Ich habe ihm seine ehrliche Freude angesehen. Ob ich alle . . .

 

Ich bin wieder entlassen und plane . . .

 

   

 
 

  
  
 

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 Informationen zu Depressionen

     

Stand: 31.12.2005

 

Stand: 31.12.2005

 
       
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