Abstieg

in die Depression

 
 
  
  

 

  
  
 

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2005

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Zeitenwende

"Ich will!

 

 
 

Der Abstieg vor dem Krankenhaus - ich bekomme eine Diagnose

(Auszugsweise aus dem Buch Zeitenwende übernommen)

Ausgangslage am 01.01.2005

23. März 2005

Bin heute 5.10 Uhr wegen Vogelgezwitscher aufgewacht. Erster Gedanke ans Geschäft. Zweiter Gedanke an Selbstmord. Ich sehe klar vor mir wie ich mir eine Pistole ans Hirn setzte. Es geht alles wieder in die Richtung wie schon einmal. Wir haben nicht einmal Geschenke für Ostern gekauft.

Bin dann wieder eingeschlafen und kurz vor halb sieben aufgewacht. Wieder das gleiche – Gedanken ans Geschäft – Gedanken an Selbstmord. Jetzt ist halbneun. Aufgestanden. Erster Gang PC anschalten.                   

Marion geht ins Englisch. Bin froh, dass ich alleine bin. Mir laufen die Tränen runter. Ich bin ja so was von bescheuert. Kann keinen klaren Gedanken fassen. Ich bekomme das alles nicht mehr hin.

Lieber Gott bitte helfe mir! Hol mich zu dir – aber mach irgendwas.

23. März 2005

Aus dem Internet – hab mal unter Selbstmord gesucht – und einen Test Depressionen gemacht

Ergebnis:

Depressionen

Die wichtigsten Symptome sind:

  • Gedrückte Stimmung

  • Fehlendes Interesse und Freude an normalen Aktivitäten und Vergnügungen

  • Geringerer Appetit und Gewichtsverlust, seltener höherer Appetit und Gewichtszunahme

  • Schlafstörungen

  • Quälende Unruhe oder Neigung zum Rückzug und gehemmtes Denken und Handeln. Konzentrationsschwierigkeiten, langsamer Gedankengang, Unentschlossenheit

  • Verringertes sexuelles Verlangen

  • Fehlende Energie und Müdigkeit

  • Geringeres Selbstbewusstsein, übertriebene Schuldgefühle

  • Wiederkehrende Gedanken über den Tod, Selbstmordgedanken, Selbstmordversuche

Das stimmt alles!

Sie erzielen folgende Stufe auf der Goldberg-Scala.

 54 schwere Depression

Ihren Angaben zur Folge, spielen Sie mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen. Das ist ein ernsthaftes Anzeichen dafür, dass Sie Hilfe benötigen! Selbstmord in Verbindung mit einer Depression ist besonders tragisch, da eine Depression eine heilbare Krankheit ist. Unabhängig davon, ob Sie eine Depression haben oder nicht, sollten Sie sofort Ihren Arzt aufsuchen! Erzählen Sie Ihrer Familie oder Ihrem engsten Freundeskreis, wie Ihnen zu Mute ist, damit jene Sie bis zum Zeitpunkt  Ihrer Genesung unterstützen und vor dem Selbstmord bewahren können.

Ihre Beschwerden deuten auf eine schwere Depression hin. Ihr Zustand scheint Ihr Leben und Ihren Alltag so in Mitleidenschaft zu ziehen, dass sich daraus ernsthafte Probleme für Sie ergeben. Sie sollten sofort Ihren Arzt aufsuchen.

Bitte fassen Sie dieses Testresultat nicht als eindeutige Beurteilung Ihrer mentalen Gesundheit auf oder als eine Empfehlung, sich in Behandlung zu begeben oder dieses zu unterlassen. Gehen Sie immer zum Arzt, wenn Sie sich niedergeschlagen fühlen, oder wenn Sie das Gefühl haben, den täglichen Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein.

Und ich sitze wieder da und heule.

26. April 2005

Heute Morgen: Marion sagt im Bett „guten Morgen“. Ich denke, was soll an dem Morgen
gut sein. Marion sagt „ich habe Angst“. Ich sage: „Du brauchst keine Angst haben, du bist stark.“ Ich meine damit, dass sie es auch ohne mich schafft. Wenn ich nicht mehr da bin. Also tot. Wahrscheinlich sogar besser. Aber das sage ich alles nicht.

Marion sagt: „Ich möchte mal wieder mit dir lachen können.“ Ich glaube diese Zeit ist vorbei – ich habe mein Lachen verloren. Das schreibe ich jetzt um 15 vor sieben auf und die Kinder richten sich für die Schule oder Katrin fürs Geschäft.

Auf dem Grad

Neubeginn ? Abschluss ? Hilfe ? Keine Hilfe ? Brauch ich Hilfe?

(ich entschließe mich am 06.05.05 weiterhin alles aufzuschreiben)

Nun stand ich also da. Ich wanderte auf einem Grad. Rechts und links

der Abhang und der Grad wird immer schmaler. Zurückgehen ging

nicht. Nur vorwärts. Nun kam auch noch Seitenwind dazu und es wurde

langsam Nacht.

Also ziemlich hoffnungslos.

09. Mai 2005

Wenn ich das lese,

Selbsthilfegruppe für Angehörige, Klinik und so weiter.

Das möchte ich Marion nicht antun.

Da ist es doch besser wenn ich meinen Termin einhalte.

Da sind sie doch ohne mich viel besser dran.

Bin jetzt wieder zurück vom Rad fahren. Marion ist wieder da und kocht. Es ist nicht so, dass ich nur durchhänge – versuche mich zu wehren und was zu tun. Mache mir auch beruflich Gedanken.

Wechselt alles irgendwie ab.

Das Telefon klingelt. Ich gehe aber nicht ran.

04. Juni 2005

Esse nichts mehr – fühle mich schlecht

05. Juni 2005

Esse nichts mehr – fühle mich schlecht

14. Juni 2005

Gut geschlafen, aber keine guten Gedanken. Marion ist arbeiten, will Abschiedsbriefe weiter schreiben – muss aber heulen. Ich glaub nicht, dass das alles wieder gut wird.

Briefe sind fertig geschrieben. Ich habe auch eine Liste gemacht wer zu benachrichtigen ist – aber erst nach der Beerdigung. Es ist ein ständiger Kampf. Hab null Antrieb etwas zu machen.

Ein gemaltes Bild mit Folgen

Ich zeige das Bild in der Psychologischen Institutsambulanz beim Gespräch mit der Ärztin. Da ich auch erzähle, dass ich Abschiedsbriefe geschrieben habe entscheidet die Ärztin, dass ich da bleiben muss! Für mich selber zu dem Zeitpunkt ein Niederschlag.

Einige Wochen später muss ich sagen: Mir konnte nichts besseres passieren.

Hinweis:

Scheuen Sie sich nicht Hilfe zu holen und versuchen Sie auch nicht es alleine hin zu bekommen. Ich hätte meine Leidenszeit sicher um einiges verkürzen können.

Ich war damals ab 01. Mai in ärztlicher Behandlung. Der damalige Hausarzt erkannte nicht sofort, dass es sich um eine Depression handelt. Auch die dann später verordneten Medikamente (Antidepressiva) sah ich zwiespältig. Heute weiß ich dass trotz mancher Nebenwirkungen (die sich aber schnell gaben) mir die Mittel geholfen haben.

 
 

  
  
 

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 Informationen zu Depressionen

     

Stand: 31.12.2005

 

Stand: 31.12.2005

 
       
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